31.05.2011

CASH Logistik Forum 2011: Die Zukunft der City-Logistik

Unter dem Motto „Logistik auf Schritt und Tritt – jeder Tag eine neue Herausforderung“ referierten und diskutierten am 26. Mai 2011 Vertreter von Politik und Logistikbranche über die tagtäglichen Probleme der City-Logistik und deren Möglichkeiten zur Bewältigung.


DI Walter Hitziger, Vorstand Österreichische Post AG, Marco Pietsch, Geschäftsführung Lidl Austria AG, Mag. Dagmar Lang GF Mansteinverlag

DI Walter Hitziger, Vorstand Österreichische Post AG, Marco Pietsch, Geschäftsführung Lidl Austria AG, Mag. Dagmar Lang GF Mansteinverlag

Mag. Maria Vassilakou von den Grünen, Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung

Mag. Maria Vassilakou von den Grünen, Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung

Dr. Nikolaus Hartig, Hartig Consulting

Dr. Nikolaus Hartig, Hartig Consulting

Unter der bewährten und wie immer sehr launigen Moderation durch Dr. Nikolaus Hartig (Hartig Consulting) versuchte Vizebürgermeisterin Mag. Maria Vassilakou von den Grünen ein smartes Zukunftsszenario in Sachen City-Logistik zu zeichnen. Ihr Ansatz: „Da Konsum genau so zur Lebensqualität gehört wie effektiver Klimaschutz muss das Beliefern von Geschäften und Gastronomie und somit die Logistik ein zu diskutierendes Thema bleiben.“ Selbstverständlich für Vassilakou: „Der innerstädtische Güterverkehr muss wirtschaftlicher und effizienter werden, aber dennoch zu einer Entlastung führen. Zum Beispiel den Schwerverkehr auf viele kleine Fahrzeuge aufteilen und Lieferfahrten bündeln.“ In den Niederlanden gäbe es zum Beispiel bestens funktionierende eigene Binnenstadtservices mit zentralen Güterverteilzentren, Lastenfahrräder, Hybrid- und Elektrofahrzeuge für die Feinverteilung.

 

Andreas Raub, Logistikchef bei Ankerbrot, referierte anschließend über seinen Alltag mit den Problemen der tagtäglichen Praxis, mit 110 Touren sechs Mal die Woche österreichweit 2.500 Abladestellen zu koordinieren, wobei er auf eine ziemlich verwirrende Besonderheit in Wien hinwies: „Von den 804 Lieferadressen, die wir mit insgesamt 55 Lkw tagtäglich anfahren, dürfen wir 570 quasi rund um die Uhr beliefern, 234 jedoch erst ab sechs Uhr früh. Sehr oft sind wir daher gezwungen ein und dieselbe Straße zwei Mal anzufahren, obwohl die beiden Lieferadressen unmittelbar nebeneinander liegen.“ Raub machte jedoch noch auf einen anderen Aspekt aufmerksam: „Der von vielen gerne getane Griff zum Biodiesel ist mehr als nur ein zweischneidiges Schwert. Denn gerade für uns Bäcker bedeutet das, wir fahren mit Getreide, das dem Bauern, wenn er es für Biodiesel anbaut, um 30 Prozent mehr Ertrag bringt als für die Lebensmittelindustrie. Somit verteuert sich automatisch der Getreidepreis und wir werden eines Tages vor der Frage stehen ‚Tank oder Teller?’.

 

Stefan Recheis referierte über die interne Logistik von Österreichs größtem Teigwarenhersteller, der immerhin drei Vertriebskanäle – LEH, Gastro und Industrie – zu bedienen und zu koordinieren hat. „Unser Problem dabei ist“, so Stefan Recheis, „weniger die Tücken eines in vielen Jahrzehnten unterschiedlich gewachsenen Gebäudes zu berücksichtigen, sondern primär, dass Teigwaren relativ voluminös bei geringem Gewicht sind. Daher kooperieren wir in vielen Fällen mit Darbo, bei dem gerade das Gegenteil der Fall ist. Das hat sich schon oft als ideale Ergänzung entpuppt.“

 

Ebenfalls hoch interessant waren die Ausführungen von Unito-Geschäftsführer Mag. Harald Gutschi als Vertreter der Versandhändler Universal, Otto und Quelle. Mit einem Umsatz von 235 Millionen Euro im Jahr 2010 und einem Plus von 30 Prozent, wobei das E-Commerce-Plus bei 55 Prozent liegt, ist nach dem Konkurs der deutschen Quelle, nicht nur die Quelle selbst wieder durchgestartet, sondern können sich sowohl Universal als auch Otto über noch nie dagewesene Erfolge freuen. „Gutschi: „Immerhin begeistern wir mit unseren derzeit rund 500.000 Produkten quer über alle drei Online-Shops über eine Million Besucher, von denen um die fünf Prozent auch als Käufer hängenbleiben.“

 

DI Andreas Bayer, Geschäftsführer der Rewe International Lager- und TransportgmbH, gab Einblick in die logistischen Kernkompetenzen eines Handelsunternehmens. So werden die täglichen Lieferungen in die Rewe-eigenen Outlets von zwei Zentrallagern und acht Regionallagern aus bewältigt.

 

Die abschließende Podiumsdiskussion zum Thema wie „grün“ denn Logistik eigentlich sein darf, damit sie auch kostenseitig funktioniert, brachte einige Facts als Diskussionsgrundlage für zukünftige Entscheidungen zutage. BVL-Präsident Roman Stiftner konstatierte, dass Lastenfahrräder für Wien genau so wenig die Lösung sein werden wie die von Maria Vassilakou gebrachten Beispiele aus niederländischen Kleingemeinden. Und dass City-Logistik primär ein Raumordnungsproblem sei. Für Monika Unterholzner vom Wiener Hafen ist der momentane Modalsplit noch nicht ausgewogen genug, GS1 Austria Geschäftsführer Gregor Herzog brachte die Idee der Abhollogistik ein, Unito-Sprecher Harald Gutschi gab zu bedenken, dass kundenseitig jeder für grüne Logistik und Nachhaltigkeit sei, jedoch nicht dafür bezahlen möchte und er sich vorstellen könnte, dass in Sachen weltweiter CO2-Reduktion wesentlich mehr Fracht vom Flugzeug auf das Schiff wandern müsste. Post-Vorstandsdirektor Walter Hitziger verwies auf die Anschaffung von Gas- und Elektrofahrzeugen für die Feinverteilung der Post und der damit verbundenen CO2-Reduktion von 10 Prozent bis 2013. Einig ist man sich über die Wurzel aller Umsetzungsprobleme: Die Politiker haben leider nicht immer den erforderlichen Durchblick bei Entscheidungen. Und: Sie denken in Legislaturperioden und nicht generationsübergreifend.